Aphorismen 4

Von der Bildung und der Wahrheitsliebe

Wir wollen uns doch an den möglichst realitätsnahen Tatsachen orientieren, d.h. möglichst an der Wahrheit, egal, ob wir das intellektuell relativieren können z.B. damit, dass wir wissen, dass das schwer zu erreichen ist - wenn überhaupt. Das hat u.a. dazu geführt, dass eine gewisse Abgeklärtheit unter den Gebildeten aufkam. Bei genauem Hinsehen sind sie nur zu bequem, sich weiter mit der Frage des Ursprungs des Daseins zu beschäftigen. Es passt vielen, dass durch diese Erkenntnis die Wahrheit nicht mehr gesucht werden muss. Das Spielchen: „Das ist deine Meinung“, „das ist meine Meinung“, entbindet sie vor weiteren Anstrengungen und Engagement. Dass aber sehr viel religiöses hinter diesem Verhalten steckt sieht man daran, dass jetzt, wo die Wissenschaft mit der Quantenphysik beweisen kann, dass die primären Fakten der Natur nicht ihre Berechenbarkeiten sind, sondern die Wandlungen und Wahrscheinlichkeiten, ist plötzlich ihr Eifer zur Wahrheit abhandengekommen. Daran sieht man, dass die meisten Menschen, insbesondere die Gebildeten, nicht nach der Realität suchen, sondern, nach einem Wahrheitsbild, das ihre Existenzängste nimmt. Statt der sichere Gott, muss nun das angebliche berechenbare Weltbild von Descartes und Newton die Ängste beruhigen. Das nennt sich dann logische Empirik.

Mittlerweile ist der gebildete Teil der Gesellschaft derart unter Druck, dass er seine geistige Leistung nur noch in zweckgebundene Aufgaben investiert und so, nach getaner Arbeit, nur noch nichts sagende Unterhaltung oder rein emotionelle Kunstwerke sehen will. Einige verwechseln das noch mit einer, ihnen besonders innewohnenden Emotionalität und Spontaneität, weil ihnen die Bewertung und Interpretation von Letzteren überlassen wird. In Wahrheit mögen sie bloss nicht mehr über Verbindliches nachdenken. Es ist die Fortsetzung eines Geistes, dem die Orientierung abhanden gekommen ist, die er mit mehr oder weniger künstlichem Lustgewinn kompensiert. Orientierungslos insofern, dass er weit und breit keine verbindliche Wahrheit sehen kann, die ihn zu geistigen Taten motivieren würde. So bleiben die meisten in einem Kreis von Unverbindlichkeiten hängen, die sie auch noch als Objektiv wahrnehmen, weil sie damit auf keinen Widerstand stossen. Unter diesen Umständen ist die Gefahr von Gewöhnung an bestimmte Erfahrungsbilder sehr gross.

Jede Generation hat ein durch Allgemeinbildung erzeugtes Kriterium zur Beurteilung der Realität. Das hat seine Gültigkeit für die Dauer dieser Generation.

Das Gros der Gebildeten sucht den Ursprung des Daseins immer noch in der Biologie und der Astrophysik. Damit sind sie im 19. Jahrhundert stecken geblieben. Denn heute ist einzig die Quantenphysik, sowie die Kosmologie in der Lage eine präzisere Antwort auf diese Frage zu geben.


Aphorismen 3

Aphorismen 5

zurück zum Inhalt

Home