Pittura filosofica

Nachfolgend stelle ich meine Reflexionen über die Kunst im Allge­meinen und danach über meine Bilder dar. Sie sind sicherlich nicht vollständig und schon gar nicht abschliessend. Ich betrachte meine Aussagen auch nicht so, dass sie bestehende Kunstauffassungen ablösen sollen. Ich bin aber sicher, dass sie damit ein Beitrag zur erweiterten Sicht, was alles in der Kunst zukünftig zu berücksichtigen ist, insbesondere, was ihr kultureller und erkenntnistheoretischer Beitrag an die Gesellschaft wäre, leisten. Es geht also nicht um den Ausschluss von etwas, sondern um die Erweiterung. So hoffe ich, Aspekte der Kunst zu beleuchten, die eine wenn nicht neue, so doch bewusstere Wahrnehmung von ihr bewirken. Nachfolgend will ich folgende These begründen:

Man kann insbesondere die Malerei, wenn man sie als Teil der Erkenntnisfindung versteht, nur noch zum Zwecke benützen, um Aussagen ausserhalb von ihr zu akzentuieren. In der Malerei selbst, als reine Malerei, gelingt weder emotionell noch intellektuell eine zum schon Bestehenden abgehobene neue Aussage.

Diese Aussage steht diametral zur sogenannten Postmoderne.

Ein weiteres Anliegen ist, den Leser auf die Tatsache hinzuweisen, dass auch die wissenschaftlichen und philosophischen Aussagen entscheidend prägende Teile der Gegenwart sind.

Grundsätzliches zur Kunst
oder warum ich einen anderen Weg wähle

Um die Kunst kümmern sich hauptsächlich Personen mit Bildung. Damit meine ich alle, die rein durch die Tatsache, dass sie sich mit Kunst auseinandersetzen, über Bildung verfügen und nicht eine elitär gebildete Gesellschaftsschicht. Sie sind insofern geprägt, weil sie im Allgemeinen und auch in den Vorlesungen über Kunst mit dem Stoff gebildet wurden, der das zu ihrer Ausbildungszeit gerade herrschende Rea­litätsverständnis umfasst. Da die meisten Bildung eher als Mittel zur beruflichen und gesellschaftlichen Karriere nützen, sind sie sel­ten damit beschäftigt, die zur Ausbildungszeit erworbenen Kennt­nisse zu erweitern, ausser das zum beruflichen Weiterkommen benötigte Wissen. Das gilt besonders für die Kunst. So entsteht bei jeder Generation ein unterschwelllig wirkender Kon­sens in Bezug auf das Realiätsverständnis. Dieser breitet sich wie ein unsichtbarer Schleier über die Institutionen. Jeder, der sich nicht in diesem Sinne äussert, riskiert den Vorwurf der Inkompetenz. Das kann man schon mit der Tatsache beweisen, dass es Aussenseiter gibt. Wo es Aussenseiter gibt, gibt es auch Innenseiter, also diejenigen, die zu einer zu definierenden geistigen Gruppe gehören, die die Mehrheitsmeinung vertritt. Diese Mehrheits-meinung dient zur Orientierung in der Gesellschaft. Das hat zur Folge, dass nur der Aussenseiter in der Lage ist, Mängel, die das System betreffen, zu sehen. Der Innenseiter glaubt, dass das System so stimmt, denn seine Kritik bezieht sich darin eher auf formale Inhalte und nicht auf elementare Mängel, weil er ja sonst gut damit zurechtkommt.

Nirgendwo ist diese Tatsache besser zu verdeutlichen als in der Kunst. Weil ich bildender Künstler bin, werde ich das hauptsächlich an der bildenden Kunst kurz belegen.

In jedem Zeitalter gab und gibt es einen Konsens, darüber, was als Kunst zu gelten hat. Um es kurz zu machen, fange ich bei der Protorenaissance an. Nebst der Frage des Naturalismus beschäftigten diese Ära eher Fragen nach der Symmetrie, in späteren Epochen, nebst der korrekten Perspektive, Fragen nach der Einheitlichkeit oder Vielheit der Aussagen sowie die malerische respektive lineare Umsetzung (Adolf Wölfflin). Die naturalistische Umsetzung der Bilder war grundsätzlich unbestritten. Auch eine zeitgemässe literarische Thematik war nie in Frage gestellt. Das änderte sich, wie bekannt, zu Beginn des Impres­sionismus, weil durch sein Aufkommen plötzlich die naturalistische Selbstverständlichkeit wackelte. Das konnten die Kunstgebildeten, so scheint es, gerade noch verkraften, wurde dabei doch in irgendeiner Form ein Abbild der äusseren Wahrnehmung weiterhin umgesetzt. Ein Maler wie Cézanne konnte intellektuell noch nachvollzogen werden, denn seine Abstraktionen leiteten sich noch vom äusseren Motiv ab. Aufgrund anderer erkenntnistheoretischer Neuerungen, wie z.B. durch das Aufkommen der Fotografie, war diese Entwicklung einleuchtend. Nicht mehr so einfach war nun aber der Geistessprung, den Vincent van Gogh vollzogen hat. Er kehrte nämlich das Wahrnehmungsmuster um und setzte die inneren, man kann sagen die subjektiven Werte in die Natur um. Es kam also nicht mehr darauf an, ob das Bild mit der Natur überein­stimmt, sondern wie Emotionen aus der Sicht des wahrnehmenden Künstlers im Bild umgesetzt werden. In der Folge haben die Abstrakten und Konkreten, heute im Sammelbegriff der Moderne definiert, diese geistige Linie bis zur letzten Konsequenz, nämlich der Frage, was Kunst überhaupt ist, aufgenommen und weiterentwickelt. Ihre Konsequenz war derart umfassend, dass sie für uns nur noch die Feststellung übrig liessen, dass nach ihnen keine formal-stilistische Weiterentwicklung möglich scheint, d.h., dass wir nur innerhalb dieser Definition weiter Kunst entwickeln können. Die auf die Moderne folgende sogenannte Postmoderne ist eine Antwort darauf, denn sie postuliert, dass die Kunst am Ende sei und eigentlich nur noch formal-stilistische Kriterien zu ihrer Analyse möglich sind. Dabei blieb sie in dieser Orientierung.

Wie begründet sich diese Entwicklung, die, wie es scheint, zu einer formal-stilistischen Sackgasse geworden ist? Ganz einfach: Mit der Einbeziehung der konstruktiven Abstraktion wurde der Raum der Ausdrucksmöglichkeiten vollendet. Jeder Versuch, sich in irgendeiner Form sinnlich zu äussern, bewirkt Assoziationen zu einem bereits bestehenden Stil respektive einer bestehenden Technik. Was Anfangs des 20. Jahrhunderts mit Stil und Technik noch als Erkenntniserweiterung erfahren werden konnte, ist heute nur noch dazu da, als Mittel zur erweiterten bildnerischen Aussage zu dienen.

Mit den geistigen Errungenschaften der Moderne konnte die Bildungsgesellschaft vorerst nichts anfangen. Die hier beschriebenen Prozesse wurden von der Gesellschaft mehrheitlich abgelehnt. Es ging interessanterweise bis weit in das 20. Jahrhundert hinein, bis sich die Gebildeten an diese Form der künstlerischen Aussage gewöhnt hatten. Ihnen leuchtete ein, dass durch die Moderne die bildende Kunst von ihren thematischen Fesseln befreit wurde und dadurch die reine Emotionalität sich Geltung verschaffen konnte. Im speziellen hat der Intellektuelle nun ein emotionales Pendant zu seiner rationalistischen Wahrnehmung auf hohem Niveau. Er kann in dieser Form der künstlerischen Auseinandersetzung seine Trennung von Emotionalität und sogenanntem Verstand weiter pflegen. Denn hier sind nun die Vertreter der Emotion und hier ist „das wahre Leben“.

Wer aber den Intellekt von der Emotionalität trennen muss, um Kunst wahrzunehmen, der sollte schon einmal bei sich prüfen, ob er sich noch als Ganzheit erfährt.

Die Kunst hat immer eine Verbindung zur Intellektualität gehabt und wird das auch weiterhin haben. Sogar die viel bewunderten Höhlenmalereien enthalten eindeutig auch intellektuelle Überlegungen und sind nicht bloss Produkte der Emotionen.

Die Befreiung der Kunst von den thematischen Fesseln durch die Künstler der Moderne war nur eine solche, solange diese nicht zur geistigen Orientierung wurde. Von da an ist die so befreite Kunst erneut doktriniert. Denn die Mehrheit der Kulturinteressierten hat nicht die eigentliche Aufgabe der Kunst, nämlich ihr Beitrag zur Wandlung unserer Wahrnehmung, im Sinn, sondern bloss ihr ureigenstes Bedürfnis nach Bestätigung ihrer geistiger Orientierung. Dieses Bedürfnis kommt nicht zuletzt davon, sich gesellschaftskonform und somit auf der richtigen Seite fühlen zu können. Die eigene Meinung und die der Allgemeinheit vermischen sich dabei. Diese Vermischung von eigener Meinung und derjenigen der Allgemeinheit spielt dem Einzelnen vor, autonom zu beurteilen, er vemeidet aber dabei, elementare Fragen zu stellen, geschweige denn allfällige Antworten zu vertreten.

Als nun die Gebildeten mit der Zeit begriffen haben, was die Künstler der Moderne eigentlich anstrebten, nämlich, dass das wahrscheinlich wichtigste Geheimnis der Wirkung der Kunst nicht die Nachbildung von natürlichen Vorgaben ist, sondern die Kraft, die der Künstler in der Lage ist, in ein Bild zu setzen, waren sie bereit, sol­che Werke auch in ihrer privaten Umgebung zu akzeptieren. Diese Akzeptanz ist aber in der Regel nicht ein Produkt eingener geistiger Überlegungen. Diese wurden ganz einfach in dieser neuen Wahrnehmung gebildet.

Heute weiss der letzte Kulturkonsument, dass er die angebotenen Bilder in der Regel selbst interpretieren muss. Es war also nicht mehr we­sentlich, was der Maler gemalt hat, sondern, wie er das machte. Diese Kunstdeutung, die im wesentlichen von den Künstlern der Moderne und da insbesondere von Kandinsky intellektuell festgehalten wurde, hat jetzt schon seit 100 Jahren Gültigkeit und kaum Einer merkt, dass er mittlerweile nur noch geistige Wiederholungen vorgeführt bekommt. Noch schlimmer: Die meisten Kunst-engagierten nehmen diese Definition als unumstösslich gegeben hin oder wissen gar nicht, dass Kunstauffassungen Vorläufigkeitscharakter haben und keine Dogmen sind. Ganz zu schweigen von den bildenden Künstlern, die in diese, mittlerweile zum Wahrnehmungs-schema gewordenen Deutung der Kunst, unreflektiert zu ihrer eigenen machen. Denn wiederum ist die all­gemeine Information, was Kunst ist, in einer bestimmten Vorstel­lung festgefahren. Was insbesondere Vasilly Kandinsky über die Befreiung des Geistes von äusserlichen Zwängen gesagt hat dabei die anzustrebende Abstraktion meinte, ist heute durch die Orientierung an dieser, einst emotionalen Freiheit, buchstäblich dogmatisiert worden, also das Gegenteil von dem, was Kandinsky und die Künstler der Moderne damals anstrebten. Dadurch, dass ihre Überlegungen zur Orientierung wurden, verhindert der Konsens der Gegenwartskunst nun die Umkreisung der Problematik, was nötig ist, will man dem Geiste die Freiheit lassen.

Bilder sind auch Signale der Informiertheit eines Besitzers und tragen dadurch viel zu dessen Imagepflege bei.

Das merkt man am besten, wenn man verfolgt, was von den kulturellen Instanzen ausgeschlossen wird und was sie als hochwertige Kunst präsentieren. Oft scheint es, als wären die Kulturverantwortlichen bemüht, den jeweiligen Stand der Bildung ihrer Auftrag-geber zu bestätigen, sei es, weil sie um ihre Stelle und Stellung fürchten müssen, oder sei es, weil sie eben auch durch diese akademische Realitätsvermittlung hindurch- mussten, um Karriere machen zu können. Das Resultat davon ist, dass die Werke mehrheitlich Ideen sind und keine Anliegen. Sie schauen den Schatten an und meinen, es sei die Realität.

Eine gegenwärtige Entwicklung, die ich die empirische nenne, tendiert dahin, dass sie mit modernen künstlerischen Mitteln sozialpolitische, politische und andere der rationalen Wahrnehmung einleuchtende Aussagen macht. Sie lässt keine metaphysischen Aussagen zu. Es ist die Kunst der logischen Empirik. Auf diesem Niveau hat sie eine sachliche Erweiterung, variiert aber lediglich das Schema der Moderne. Was sie aber zugleich tut: Sie verhindert die metaphysischen Aussagen.

Ein beträchtlicher Aspekt der Kunst ist bekanntlich das Spiel. Offensichtlich haben sich die Kunstinteressierten aufgrund ihrer Bildung in der moderen Kunstbetrachtung angewöhnt, in diesem Zusammenhang nur noch das emotionale Spiel zu sehen. Oder dann die gesicherte empirische Aussage, in der sie die Probleme der heutigen Welt erkennen und umsetzen können. Das kommt weiten Kreisen insofern gelegen, weil sie, durch die gewandelte Gesellschaft bedingt, die Malerei als reines, sagen wir entspannendes Vergnügen erleben. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden. Diese Form von Kunstbetrachtung unterdrückt aber einen wesentlichen Teil der mit Malerei zu machenden Erfahrung, nämlich jenige, die ich als metphysisch bezeichne, welche erst die Spannung zwischen neuer Erfahrung und bestehendem Wissen erzeugen kann.

Durch die gesteigerten Forderungen der kapitalistischen Ökonomie sind die Menschen offensichtlich derart gestresst, dass sie sich nur allzu gerne auf das, was ich als Wesentlichkeits- repsektive Effizienzdenken bezeichne, einlassen und damit jede Form metaphysischer Aussage als nicht relevant verdrängen auch alles, was der Abgeklärtheit der gebildeten Gesellschaft widerspricht. Das nennt sich dann modern.

Neopositivismus in der bildenden Kunst

Das oben schon angetönte Orientieren an dem, was sich als logische Empirik definiert, möchte ich hier näher schilderrn.

Betrachte ich die gegenwärtige Strömung der bildenden Kunst – zum mindesten im öffentlichen Raum so zeigt sich, dass diese nicht gerade die geistige Erweiterung der Menschheit im Sinne hat. Sie hält sich an die These der Postmoderne, die ein Fortschrittsziel als Inhalt negiert. Sie, die Postmoderne, orientiert sich an dem, was die geistige Konsequenz von dem ist, was heute als klassische Physik bezeichnet wird. Es ist der Drang des Men-schen nach endgültiger Berechenbarkeit des Daseins. Anfang des 20. Jahrhunderts entstand aber gerade auch jene Phase der Entwicklung, die die bildende Kunst von jeglichen Bedingtheiten befreite. Diese Epoche ist mittlerweile durch unzählige Wiederholungen der damals gemachten Erkenntnisse derart banalisiert worden, dass sie geistig nicht mehr wesentliches bewegen kann, es sei denn, man begnüge sich mit Variationen bis ins Endlose, gleich etwa der Schlagerindustrie.

Das ist das, was in den Kulturinstitutionen dominierend ist. Ich definiere es als Neopositivismus. Formal-stilistisch steigert dieser Trend - mit Ausnahme vielleicht der Fotografie die Postmoderne kaum. Er umfasst aber wieder öfters einen thematischen Auftrag. Dieser bewegt sich aber nur in der geistigen Haltung, die hinter diesem Trend steht. Es ist eine Geisteshaltung, die nur noch auf das momentane Realitätsempfinden aus-gerichtete Aussagen macht. Man beschäftigt sich sozusagen mit dem vorhandenen Material. Mittlerweile ist Kunst, was sich als solche definiert.

Es gibt Indizien dafür, dass sie die gleichen inflationären Züge trägt wie das, was man Globalisierung, mit all dem Gigantismus als Folge davon, nennt:

- Da ist grundsätzlich einmal auffallend, dass alle Werke nur noch mit englischsprachigen Titeln versehen sind.
  Die einst als dem emotionalen näher geltenden lateinischen Sprachen haben ausgedient.

- Die Werke müssen vornehmlich gigantische Ausmasse haben. Dabei ist die Grösse die Philosophie, aber selten die Aussage, weil die meisten
  nicht wegen einer starken Aussage so gross sein müssen, sondern nur deshalb, weil die Beschauer und die Initiatoren sich
  daran gewöhnt zu haben scheinen, nur noch die physische Grösse als Kraft wahrzunehmen.

- Die offizielle Kunstszene hat einen weltweiten Konsens entwickelt, der bis in die Hemisphären reicht, die vom europäisch-amerikanischen
  Kulturverständnis bis jetzt verschont geblieben waren. Sie lässt keine andere Kunstauffassung zu.

Was diesem Konsens nicht entspricht, ist unbedeutend.

Diese Geisteshaltung enthält als Orientierung den Geist, der letztlich auch die globale monetäre Wertvermehrung antreibt. Sehr viele Künstler und ihre Vertreter betrachten das gegenwärtig als Realität. Einige geben zwar vor, der Gesellschaft dadurch den Spiegel vorzuhalten. Indem sie aber zweierlei Dinge kopieren, nämlich die Übernahme der monetären Realitätskriterien, die da heisst: Einsatz für Umsatz, und das eben diesem Bild entsprechende Verhalten, bestätigen sie diese Geisteshaltung eher, als dass jemand merken könnte, irgendetwas sei da veränderungswürdig. Es ist ja auch das Treiben, das sich als Kunstmarkt versteht, das die gegenwärtigen, rein am Kapital orientierten Strömungen bestätigt. Durch das Mitmachen der Kunst am Markt spiegelt sie ein gesellschaftliches Verhalten, das auch der Mehrheit der Konsumgesellschaft als Orientierung dient, also die eigentliche Realität darstellt. Dieses Mitmachen führt wiederum zum Akzeptieren des wirtschaftlichen Diktats. Nebst dem archaischen Bedürfnis nach Kreativität hat diese Form von Dynamik ihre Quelle in der übersteigerten Imagepflege, die hauptsächlich in der Desorientierung des Selbstbewusstseins wurzelt. Wer diese Zusammenhänge nicht erkennt, dem erscheint das ganze System als logisch abgerundet, ja, man bezeichnet das als die individualisierte Gesellschaft.

Das wäre alles eine Sache der Psychologie, hätte diese Wahrnehmung der Realität nicht mittlerweile die Kunst, d.h. vielmehr deren Vertreter, erreicht. Es gibt in ihr eine Strömung, die genau das oben geschilderte Wahrnehmungsbild bestätigt. In ihr werden kurzlebige Ereignisse konzipiert, die in dem im umtriebigen Leben stehenden Menschen für eine kurze Zeit emotionale Begeisterung erzeugt, um gleich zum nächsten Ereignis zu wechseln, analog dem alltäglichen Einkaufsverhalten als konditionierter Konsument. Solche Konzepte bewirken zwei Eigenschaften des gegenwärtigen Hauptstromes der Realitätswahrnehmung: Einerseits das von der Wirtschaft geforderte pulsieren der Gegenstände, andererseits das Bedürfnis gewisser Leute, immer die Nase vorne haben zu wollen, indem sie über die Trends besser Bescheid wissen, und so das eigene Selbstwertgefühl - mit Abhebung durch Vorsprung - zu stärken und ihren gesellschaftlichen Wert zu erhalten versuchen.

Nebst den gigantischen negativen Folgen, die ein solches Treiben im heute möglichen Massstab hat, wäre dem Streben nach Genuss nichts anzuhängen. Wenn er aber so betrieben wird, wie das heute geschieht, so darf Kritik erlaubt sein. Es geht ja dabei nicht mehr um das blosse Streben nach Austausch positiver Energien, also Interaktionen, was ja das Merkmal von Lustgewinn ist. Vielen geht es mittlerweile vielmehr um das Ausfüllen und Verdrängen von Orientierunglosigkeit und der oft dahintersteckenden Furcht und das Anstre-ben eines Vorsprungs gegenüber dem sprichwörtlichen Nachbar.

Eine wichtige Aufgabe der Kunst ist, als Spiegel der Zeit zu wirken. Kunsthistorisch gesehen, besonders bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, war das mit dem Eröffnen von neuen geistigen Möglichkeiten für die Gesellschaft verbunden. In der Folge dieser Erkennt-nisse der Moderne herrschte geistige Ratlosigkeit. Das zeigt sich an dem, dass die Summe der formal-stilistischen Umsetzungen der Kunst nur noch sich ins Uferlose vermehrende Variationen hervorbringt. Und sonst nichts. Es geht so weit, dass die Kunstvertreter sich bemühen, auch die kleinste Nuance in einem Kunstwerk als Sensation hochzustilisieren. Damit meine ich nicht das Bewundern von speziellen künstlerischen Leistungen, sondern die reine Verzweiflung an den Wiederholungen.

So gesehen ist der gegenwärtige Trend, den ich neopositivistisch nenne, klar eine neue geistige Richtung, wenngleich sie die Anlehnung an die Postmoderne nicht verleugnen kann.

In der Annahme, dass der Leser weiss, was der Begriff Positivismus bedeutet (Auguste Comte, Ludwig Wittgenstein), versuche ich ihn nachfolgend am heutigen Treiben der Kunst zu beschreiben und zu begründen.

Was früher noch mit dem Bestreben nach einem Ideal getan wurde, wird heute reduziert auf die vorher geschilderte Realitätswahrnehmung. Die Künstler beteiligen sich nicht mehr an einer möglichen Findung erweiterter Erkenntnis, sondern bestätigen das gegenwärtig dominierende Weltbild. Geistig hat man den Eindruck der Auswechselbarkeit. Das nennt sich dann Gegewartskunst, meist mit dem Anhang jung. Die wesentliche Aussage ist das Abbil-den des momentanen Realitätsverständnisses der gegenwärtigen Gesellschaft. Das geschieht nicht nur durch ihre auf diese zugeschnittenen formalen Umsetzungen, indem sie genau von diesem Weltbild sich inspirieren lassen, sondern die Künstler benehmen sich mittlerweile auch wie im Kaptalismus Angekommene. Das manifestiert sich durch ihr äusseres Erscheinungsbild, durch pseudoreduktionistische Aussagen und in ihren Köpfen fixierte Wort „Internationalität“, das ihnen durch die Akademien und andere Kunstvertreter eingehämmert wird. Sie bestätigen damit die Richtigkeit eines Weltbildes, das mit den Begriffen „Gewinner“ und „Verlierer“ operiert. Sie helfen mit, die Arroganz der ökonomisch Gebildeten in einem System durch ihr Handeln zu bestätigen, und die Dümmeren unter ihnen identifizieren sich auch noch damit. Mit diesem handeln machen sie sich zu geistigen Steigbügelhaltern, im wahrsten Sinne Materialisten und sie sind somit an den geistigen Eigenschaften der Natur schuldig, welche sich im Menschen manifestiert, indem sie ihre Fähigkeit zur geistigen Vernetzung einem System opfern, das darunter bloss die Fähigkeit versteht, damit Vermögensvermehrung zu betreiben, ohne Rücksicht auf Verluste. In diesem Sinne treffen diejenigen, die ich als Neopositivisten bezeichne, den Zeitgeist optimal. Sie unterstützen mit ihrem Tun ein System, das nur seine eigenen Kriterien der realistischen Wahrnehmung als Schlüssel zur Daseinsberechtigung zulässt. Es bedeutet auch, dass die positivistisch orientierten Personen das Monopol über die Kunst okkupiert haben. Denn ist es nicht erstaunlich, wie weltweit in den öffentlichen Kulturanstalten praktisch der gleiche Geist dominiert? Dieser Geist der Reduktion lässt bestenfalls gesellschaftlich akzeptierte Aussagen als relevante Kunst zu. Man könnte ja diese Lebenseinstellung auf sich beruhen lassen, würde sich die geistige Wahrnehmung der Verantwortlichen nicht in einem derart engen Horizont bewegen und jede erweiterte geistige Raumöffnung als surrealistisch bezeichnen oder mit andern herablassend gemeinten Begriffen eindecken und auf diese Weise ihre öffentliche Sichtbarmachung, vermeintlich historisch legitimiert, verhindern.

Leider ist es bei einem älteren Künstler verdächtig, wenn er die Jungen ins Visier nimmt. Trotzdem wage ich die Bemerkung, dass jung nicht gleich neu ist.

Wenn sich die Epoche der historischen Moderne noch elementar damit beschäftigte, Mittel zur Erweiterung der Erkenntnis aufzudecken, indem sie die Suche nach den Grenzen des sinnlichen Wahrnehmens betrieb und indem sie auch alle Schnörkel aus der Kunst verbannen wollte, herrscht heute unreflektiertes Mitläufertum. Nicht umsonst glauben die Institutsvorsteher und -vorsteherinnen, dass ihnen auf dem Kunstmarkt nichts mehr entgeht. Sie haben, ja ein ganz klar strukturiertes Programm im Kopf, das sie durch ihre Bildung erhalten haben und es ihnen nie in den Sinn kommen würde, dieses zu hinterfragen. Solche Gedanken könnten nicht zuletzt sogar ihre Karriere abrupt beenden. Zu dieser Geistes-haltung gehört auch, dass man den Künstlern mittlerweile Management beibringt, was das Kriterium der Bedeutung eines Werkes umso mehr von den Verkaufsquoten und der Höhe der erzielten Preise abhängig macht. Völlig einfältig wird es, wenn sich selbst die Künstler untereinander auch am Verkauf der Werke als hauptsächlichem Qualitätsmerkmal bewerten. Das ist ein weiteres Indiz, dass sich die offizielle Kunst einer Religion unterworfen hat, die ich als kapitalistisch bezeichne.

Insbesondere im 20. Jahrhundert waren Wandlungen in der Kunst einhergehend mit beachtenswerten Paradigmenwechseln. Was heute geschieht, ist die Ernte davon, und das lässt sich gut ausnützen, um sich der monetär orientierten Weltordnung zur Verfügung zu stellen, weil deren Wahrnehmungskriterien mittlerweile Allgemeingut geworden sind. Man muss sich beim Auseinandersetzen mit der Kunst nicht mehr auf abenteuerliche Anschau-ungen einlassen. Das letzte mal hatten wir das bei uns, als sich die Kunst in das Christentum integrierte. Damals entsprach das aber dem Wissen dieser Zeit. Nach der Befreiung davon im letzten Jahrhundert und vom elitären Diktat der Schöngeister, sind wir heute so weit, dass es wieder ein religiöses Diktat über die Kunst gibt. Wer als Künstler in die Lage kommen will, gesellschaftliche Bedeutung zu erlangen, muss sich einer geistigen Normierung unterwerfen. Seine künstlerische Freiheit besteht im besten Falle nur noch darin, andere an „Originellität“ zu übertreffen und dabei zu signalisieren, dass er sich im Bereich einer Pragmatik zu bewegen weiss. „Originellität“ ist nicht zu verwechseln mit Originalität. Es ist ein bewegen in der Konformität, wie es auch vor der Zeit der Moderne geherrscht hat.

Der Einfluss anderer Kulturkreise

Auch das Einfliessen von Kunst aus anderen Kulturkreisen hat da nichts verändert, wenn man einmal von Werken absieht, die zur Volkskunst gezählt werden. Viel eher haben sich die Künstler aus diesen Kulturen dem Niveau der Kunst angepasst, die in Europa ihre Wurzeln hat. Wenn man bedenkt, dass diese Kulturen in der Ära der Moderne die europä-ische Kunst beeinflusst haben, so lässt das sicherlich Rückschlüsse auf die Abenteuerbereit-schaft gesellschaftlich akzeptierter Künstler zu.

Seien sie aus China, Russland oder Japan, sie profitieren nur von ihrer Herkunft, nicht aber von einer ihrem Kulturkreis entsprechenden Umsetzung ihrer Werke. Da nützt es auch nichts, wenn man z.B. asiatische Tempel demontiert und artverfremdet wieder zuammen-setzt. Das einzig geistig spezifische in dem Fall ist, dass das Holz wahrscheinlich noch aus Asien stammt. Eine Lust auf asiatisch geprägte Erkenntniserweiterung kommt dabei zu kurz.

Das Ausklammern erweiternder Aussagen

Das institutionelle Ignorieren bestimmter künstlerischer Aussagen hat mit dem geistigen Bedarf der jeweiligen Gesellschaft zu tun. Die jetzige Gesellschaft orientiert sich haupt-sächlich an den Thesen der Postmoderne. Das hat zur Folge, dass im Moment bestimmte Aussagen wie z.B. symbolische, metaphysische, literarische, ja poetische oder andere nicht im herrschenden Realismus eingebettete Themen als für die Wahrnehmung nicht relevant eingestuft werden. Hat ein Bild nicht nur die Absicht, formal-stilistisch zu assoziieren, so kann der Autor oder die Autoren sicher sein, dass die erweiterte Aussage kaum nicht bemerkt wird, weil sich die Kritiker in erster Linie auf die Formal-stilistik stürzen und dabei so sehr in ihrem gelernten Kriterienkatalog verhaftet sind, dass ihnen überhaupt nicht mehr in den Sinn kommt, dass gewisse Bilder eigentlich eine geistige Aussage machen wollen. Meist weigern sie sich buchstäblich, das wissen zu wollen, weil es ihre kulturelle Orientierung infrage stellen würde. Wenige Kunstinteressierte haben den Mut, sich geistig mit einem Bild in der oben beschriebenen Art auseinanderzusetzen und das auch noch öffentlich kund-zutun. Denn die Kriterien der heutigen Kunstinstitutionen und derer Förderer sind im Weltbild des Rationalen respektive des Positivismus blockiert. Man kann von einer marktwirtschaftlichen Orientierung sprechen wenigstens, was offiziell vertreten wird. Das Kriterium der Professionalität eines Künstlers manfestiert sich darin, ob Werk und Erscheinung die Merkmale der Internationalität aussenden. Er muss mindestens nach Geschäftemachen aussehen, ganz sicher aber Abgeklärtheit ausstrahlen. (Geschichtlich kurz waren es diejenigen Künstler und Künstlerinnen, die eher in zerlumpten Kleidern daher- kamen und sämtliche Konventionen sprengten, die als relevante Kunstschaffende galten.) So haben die unsicheren Kunstbeteiligten unter sich wenigstens ein Signal, wo es sich gesellschaftlich abgesichert um ernst zu nehmende Kunst handelt. Der ganze Kunstbetrieb erweckt den Anschein einer kollektiven Ritualisierung, deren gesellschaftliche Signale gelernt werden müssen. Für ein Eigenurteil haben die meisten schlichtweg keine Zeit oder keinen Mut. Der Spruch, dass die Kunst das Kind der Zeit sei, legitimiert wohlberuhigend den nicht selbst reflektierenden Kunstgebildeten, sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Ihnen sei eine Aussage Kandinskys in Erinnerung gerufen: „Eine derartige Kunst kann nur das künstlerisch wiederholen, was schon die gegenwärtige Atmosphäre klar erfüllt. Diese Kunst, die keine Potenzen der Zukunft in sich birgt, die also nur das Kind der Zeit ist und nie zur Mutter der Zukunft heranwachsen wird, ist eine kastrierte Kunst.“ Daraus sieht man, dass dieses Problem schon immer existierte, und es gibt keinen Hinweis, dass diesbezüglich heute eine aufgeklärtere Einstellung herrscht.

Der Aussenseiter

An was erkennt man einen Aussenseiter?

Er erkennt die Banalität der Wiederholungen, will diese in seinem Werk auf ein Minimum, wenn nicht ganz eliminieren. Ihn interessiert das Wie der Gruppe, d.h. des kollektiven Konsenses, nicht. Er will neue Erfahrungen machen. Ihn interessiert das Was. Dadurch bewegt er sich meistens auf geistigen Ebenen, die für den Innenseiter als nicht relevant gewertet werden. Von ihm kommen Vorschläge, die das System stören. Deshalb muss er von den Innenseitern zum Aussenseiter gemacht werden, womit alles wieder seine Ordnung hat.

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Zu meinen Bildern
in Verbindung zu dem vorher Gesagten

Was ist das Neue an meiner Aussage?

Historisch gesehen nehme ich die Verwendung der bildenden Kunst für sogenannt geistige Aussagen wieder auf. Sowohl religöse wie auch profane Mitteilungen wurden jahrhundertelang über die Bilder weiterverbreitet. Heute ist es wieder nötig, das Bild zur Verbreitung von moderner Erkenntnis zu verwenden, da diese sonst Mühe hat, sich öffentlich zu verbreiten. Auch die Nachricht der nicht religiösen Weltsicht kann sich so bewusster sichtbar machen.

Während die sogenannte Gegenwartskunst die Themen nach dem alltäglichen Realitätsverständnis wählt und als relevante Kunst bewertet, forsche und arbeite ich da, wo die Gegenwart und die zukünftigen Realitäten entstehen, also dort, wohin sich das jeweilig herrschende empirische Realitätsverständnis immer wieder anpassen muss.

Pittura filosofica

Mittlerweile schlage ich vor, meine Arbeit als "Pittura filosofica" bezeichnen, da ein solcher Sammelbegriff die einzige charmante Form ist, die ausdrückt, was ich meine, und weil ich den Themenbereich von der Physik zum allgemein Philosophischen erweitert habe. Aber auch da ist die Thematik hauptsächlich von der Physik inspiriert.

Es scheint mir auch, dass sich meine Bilder in erster Linie an Personen richten, die an philosophischen Inspirationen interessiert sind, ja, sich auch nicht scheuen, das Meta-physische als Mittel zur Erkenntnis einzubeziehen. Das wären die Personen, die wissen, dass gerade die logische Empirik ihre Quelle ebenfalls im Metaphysischen hat. Denn es existiert keine Realität, die nicht anfänglich metaphysisch geprägte Hypothese war.

Für den, der das bestreitet oder noch nicht weiss, können meine Bilder höchstens eine Aufforderung zum erneuten Reflektieren seines Standpunktes sein.

Ich bediene mich in meinen Bildern zum Thema Quantenphysik, wie auch bei denjenigen mit eher philosophischem Inhalt, einer historischen Form bild­nerischer Mitteilung, d.h. mit gezieltem Inhalt. Ziel meiner Bilder ist die Eröffnung eines Dialogs mit einem bildnerisch umgesetzten philosophischen Gedanken, sei er aus der Wissenschaft, aus der Literatur oder der philosophischen Erkenntnis entnommen. Das Thema ist manchmal im Bild gedanklich formal erweitert, manchmal ironisiert, manchmal aber auch bloss informell umgesetzt. Ich versuche niemals eine neue stilistische Umsetzung anzustreben, da das aus historischen Gründen nicht mehr möglich ist. Vielmehr benütze ich die Summe der formal-stilistischen Erkenntnisse, um damit dem Thema entsprechend, die stilistisch richtige Wahl zu treffen. Der Kunstinteressierte soll also davon absehen, meine Bilder nur nach formal-stilistischen Kriterien zu beurteilen.

Zu bedenken ist auch, dass es nicht der literarische Gedanke war, der die Künstler der Moderne störte, sondern die unreflektierte Anwendung von solchen Themen gegen das Ende des 19. Jahrhunderts (gequälte Motive wie z.B. „Die Dame im Garten mit Sonnen-schirm“).

Es gibt sicherlich gute Gründe zu sagen, dass einer, der den Titel und die dazugehörige Legende eines meiner Bilder gelesen hat, dieses Bild nicht mehr braucht, weil es ja eine Wiederholung des Textes ist.

Es scheint aber, dass eher das Konzept, das ich vertrete, den Positivisten irritiert, nämlich mein Ziel, intellektuellen Aussagen wieder eine emotional sinnliche Wahrnehmung zu geben, um so dem gewählten Thema eine ganzheitlichere Gegenwart zu ermöglichen.

Durch die Umsetzung eines Themas in der Malerei und der sich dabei entwickelnden Symbolik kann nämlich eine andere Ebene der emotionalen Ästhetik angesprochen und so das gewählte Thema erweitert werden. Seit je ist die literarische Umsetzung im Bild ein Mittel zur Übermittlung. Der Sinn dabei ist es, ein Thema herauszuheben, um einen mehr oder weniger kontinuierlichen Dialog mit dem Beschauer zu ermöglichen, wenn das Bild an der Wand hängt oder wo auch immer, was kontnuierliche Präsenz bewirkt. Eine Aussage lässt sich so in jeder mentalen Verfassung erleben, was zu nicht unerheblichen geistigen Konfrontationen führen kann.

Das Wiedereinführen einer den Intellekt bewusst mit einbeziehenden Thematik löst beim sich an der Postmoderne orientierenden Kunstinteressierten offensichtlich Widerstände aus, weil er sich in seiner angewohnten Kunsterwartung nicht bestätigt sieht. Insbesondere wird mir vorgeworfen, ich würde die Ganzheit des sinnlichen Wahrnehmens dadurch blockieren. Denn über die Emotionalität würde sich dann schon neue Erkenntnis ergeben. Das ist zweifellos richtig - nur die Frage ist wann. Ist es nicht so, wie ich anfänglich gesagt habe, nämlich dass die Bildung zu Orientierungen führt und solche bekanntlich beharrliche Stabilität entwickeln, sodass, wenn die Kunstinteressierten ihnen vertraute Signale sehen, in ihnen eher gedankliche Bestätigung denn ein geistiger Aufruhr entsteht?

Wir alle sind mit Intuition und Emotionalität versehen, haben aber von der Natur noch etwas mitbekommen, was andere Mitbewohner dieser Erde nicht haben: die Fähigkeit, bewusst an unserer Wahrnehmung zu drehen. Wir können also versuchen, gewisse Dinge zu erweitern, bevor uns die Emotionalität dazu zwingt.

Mein Argument gegen diese Bedenken ist, dass die historisch gewachsene gegenwärtige Definition der bildenden Kunst zwar spontane Assoziationen zulässt und bewirkt, diese sich aber meistens beim Betrachter im Erfahrungskreis des bestehenden Wissens drehen. Die Freiheit der Intuition wird also durch den beschriebenen Konsens kunstspezifischer Bildung auch nicht gerade hemmungslose Intuitionen freisetzen. Ist aber die Konfrontation die eher besetehende Thematik, so besteht die Chance, dass man das Weltbild oder was auch immer von ebendieser Thematik aus wahrzunehmen beginnt. Nutzlos ist solches nur für diejenigen, die glauben, die Realitätswahrnehmung der logischen Empirik sei das höchste zu erreichende Wissen. Ich bin sogar davon überzeugt, dass die Verbindung von Intellektualität und Emotionalität eine ganzheitlichere Aussage darstellt.

Aus solchen Feststellungen heraus ist nun mein Vorschlag, mithilfe der Kunst auch die Reflexion über eine der wichtigsten Erkenntnisse der Wissenschaft zu vermitteln, nämlich Quantenphysik respektive Quantenmechanik. Wichtig ist sie, weil sie zu unserer Frage nach dem Dasein neue Informationen liefert, von philosophischer Relevanz. Das heisst, die da gemachten Erkenntnisse betreffen unser Realitätsverständnis.

* Interessierten sei z.B. das Buch „Das schöpferische Teilchen“ von Leon Ledermann empfohlen. Bertelsmann 1993

(Es passiert mir nicht selten, dass die Kunstgebildeten sich dagegen sträuben, meinen Hinweis auf die literarische Umsetzung auch nur in Betracht zu ziehen. Sie wollen den postmoderenen Weg nicht infrage gestellt sehen. Ich komme dabei nicht umhin, meinerseits in Betracht zu ziehen, dass diese Art Kunstinteressierte früher diejenigen waren, die einen Maler nur als solchen anerkannten, wenn er einen Akt oder ein Pferd malen konnte.)

Die Aussagen meiner Bilder sind auf verschiedenen Ebenen angelegt. Technisch wie formal-stilistisch erhebe ich keinen Anspruch auf eine neue Auslegung, weil das, wie oben begründet, ein ziemlich unmögliches Unterfangen sein würde. Deshalb muss von der Ge-wohnheit Abschied genommen werden, bei meinen Bildern hauptsächlich nur formal-stilistische Kriterien zur Beurteilung zu verwenden. Das ist nach meiner Erkenntnis der einzige Weg, die Kunst als Mittel zur Erweiterung des Erkennens zu benutzen. Ich bin mir bewusst, dass ich damit die gängigen Massstäbe durchbreche. Ich verlasse damit auch die Orientierung aus dem 20. Jahrhundert, welche sich für die damalige Zeit völlig befreiend der literarischen Themen entle­digt hat. Es ist für mich aber völlig uninteressant, einen künstleri­schen Vorschlag, dessen Resultat voraussehbar ist, umzusetzen. Ich riskiere lieber das Scheitern, als mich geistig im Banalen der Konformität aufzuhalten. Denn bei dem, was man unter Gegen­wartskunst versteht, handelt es sich mittlerweile um künstlerische Aussagen, die uns einzig mitteilen können, dass die Künstler die herr­schende kulturelle Botschaft verstan-den haben. Sei es bewusst als Anpassung, sei es, weil sie den geistigen Konsens akzeptieren oder weil sie es ganz einfach nicht realisieren, dass sie da in einer, etwas salopp gesagt, bewährten Weltsicht gefangen sind.

Das wird von den Vertretern der Kunstinstitutionen als völlig selbstverständlich hinge­nommen, wahrscheinlich aus denselben Gründen. Es ist ja zulässig, eine Ansicht zu haben. Es ist auch klar, dass eine Auffassung von Kunst nicht einfach aufgegeben werden muss. Die offiziellen Vertreter der Kultur sollen nur nicht den Anspruch darauf erheben, den Begriff Kunst in seiner ei­gentlichen Bedeutung zu vertreten. Denn Kunst hat mit Erkenntniser-weiterung zu tun. Indem wir aber erneut eine bestimmte Form bzw. geistige Orientierung, die mittlerweile über hundert Jahre alt ist, als Massstab nehmen, um Kunst zu beurteilen, werden wir, gewollt oder nicht, erneut zu Zensoren. Täuschend ist die vermeintliche künstlerische Vielfalt, die auf den ersten Blick festzustellen ist. Das ist insofern nicht zutreffend, weil praktisch alle gegenwärtig als relevante Kunst definierten Werke der gleichen geistigen Wahrnehmung entsprungen sind.

Meine Empfehlung dafür, wie wirklich neue Aussagen erkannt werden können, ist, ob ein Werk vorerst eine geistige Ablehnung, die bis zur Peinlichkeit reichen kann, auslöst. Das heisst aber nicht, dass alle dieses Kriterium erfüllenden Werke wirklich neue Aussagen sind. Da ist der Einzelne gefordert herauszufinden, wo der Unterschied liegt.

Wir werden durch die gegenwärtig herrschende Vielfalt getäuscht, weil sie Freiheit vorspiegelt, ja sogar Neuheit, in Wirklichkeit aber einen geistigen Überbau als Orientierung hat. Und den versuche ich zu durchbrechen. Für mich ist eben geistig aus dem Bestehenden das Erforschen des Folgenden interessanter. Wie erwähnt, ignoriere ich dabei, ob ich nun eine stilistische Anlehnung wähle oder nicht. Es ist also die Aussage, die den Stil bestimmt. Wir sind ohnehin dazu gezwungen, nur noch mit dem bis jetzt offengelegten Formalstilisti-schen zu arbeiten, indem wir diese Erkenntnis für eine andere Wahrnehmungsebene anwen-den. Nur so kann sich eine neue Kunstform entwickeln, weil die rein auf dem formal-stilistischen beruhende Aussage völlig ausgereizt ist. Beobachtet man die gegenwärtige Kunstszene, so erinnert einem ein nicht unwesentlicher Teil davon eher an eine Ideen- und Materialorgie als an die Bemühung, geistige Erweiterung zu betreiben. Erreicht ein Künstler doch so etwas wie eine neue Ausdrucksform, so ist es die gesellschaftliche Erwartung des Originellen, die das Wahrnehmen seiner geistigen Erweiterung zunichte macht.
Eine weitere, eher zufällig entstandene Aussage in meinen Bil­dern, ist diejenige, die das Bildungswissen betrifft. Das beziehe ich z.B. auf die Werkgruppe „Ahnengalerie“ sowie auf Georg Christoph Lichtenberg. Das war mir anfänglich eher befremdlich, weil so ein Konzept grundsätzlich nicht zu meinen Vorstellungen über die Kunst passt. (Das hier Behandelte gilt nicht für die Bilder, die von der Werkgruppe „Ludwig Wittgenstein“ abgeleitet sind). Mittlerweile kann ich aber zu diesem Aussagen stehen, weil ja heute unsere Ver­bundenheit mit der ganzen kulturellen Entwicklung der Menschheit auf dem Spiel steht, sollten die Prioritäten weiterhin auf derart kur­zgeschaltetem Effizienz- und Nützlichkeitsdenken wie bisher stehen bleiben. Damit ist nichts gegen Effizienz gesagt, sondern nur gegen die von Kleingeisteister, angewandte Form.

Es scheint mir, dass diese moderne Haltung durch eine falsch verstandene Anwendung des Mit­tels Reduktionismus entstanden ist: Reduktionismus wird angewandt, um gemachte Thesen in einem für diese These als vernünftig eingeschätzten Wesentlichkeitsrahmen zu halten. Ziel dabei ist, den ge­wählten Aspekt eines Konzeptes von verzettelnden Aspekten fernzuhalten, um so die gemachte These zu akzentuieren. Dabei ist entscheidend, welchen Rahmen man zulässt. Diese Entschei­dung hängt direkt von der prinzipiellen Übersicht der Person ab, die die Reduktion definiert. Dieser Prozess ist nicht möglich, wenn allzu ängstliche Personen diesen Rahmen bestimmen.
Zurück zu meinen Bildern mit Themen aus dem bestehenden his­torischen Bildungsbereich: Vorläufig sehe ich darin keinen weiteren geistigen Nutzen als die Freude, an dieses Wissen erinnert zu wer­den. Ich schliesse aber nicht aus, dass dies auch geistige Erweite­rungen bewirken kann, und sei es nur als Auflehnung gegen den gegenwärtigen Wesentlich-keitsdruck. Es ist immer noch besser, dem Alltag nicht unbedingt entsprechenden Inhalt vorgesetzt zu bekommen als Emotionalitäten, die einem lediglich sein eigenes Gewohnheitsempfinden bestätigen, aber keine weiteren geistigen Impulse liefern.

Geistig bestätigende Bilder inspirieren nicht mehr, als ein Gegenstand an einem nicht erwarteten Ort. Es ist aber ein Unterschied, ob man von alltäglichen Kon­frontationen inspiriert wird oder von einem den Alltag nicht unbe­dingt reflektierenden Thema.

Im Weiteren ist mein Vorschlag zur Entwicklung der bildenden Kunst auch eine Attacke auf die Dreiminutengesellschaft. Damit meine ich jenes Verhalten, das aus dem Glauben heraus alles We­sentliche nun zu wissen, oder aus einem ökonomisch bedingten Gefühl der Zeitnot heraus, sich dem Wesentlichkeitsdenken unterwirft und dabei in intellektueller Selbstzensur versinkt.

Dem kommt die sogenannt postmoderne Kunst sehr entge­gen. Denn sie ermöglicht den Weg von der Emotionalität zur intellektuellen Unverbindlichkeit. Ich wage das als intellektuelle Romantik zu bezeichnen. Im Gegensatz zu meinen Bildern, die durch intellektuelle Verbindlichkeit Emotionalität bewirken sollen. Weil die ersteren den Grad der zu erreichenden Bewusstheit dem Beschauer offenlassen und so im Speziellen die Dreiminutenkontemplation begünstigen, sind meine Bilder für einen längeren emotionalen Dialog mit dem, was ich als emotionales Be­wusstsein bezeichne, konzipiert. Denn es ist das Präsentieren von noch nicht offengelegten Erfahrungsmöglichkeiten, da wir mittlerweile gegenüber der Zeit der Postulierung der Postmoderne einige neue wissenschaftliche Informationen mehr haben, bei denen es sich lohnt, diese sinnlich präsent zu machen. Nur schon die Tatsache, dass diese in weitesten Bildungskreisen ignoriert werden, begründet meinen Schritt. Damit erhält die Kunst wieder den Auftrag, an der Erkenntniserweiterung teilzuhaben, und somit wieder die Möglichkeit, an unerwarteten Aufdeckungen mitzuarbeiten, was ja eigentlich bewusst oder unbewusst der Sinn der Kunst ist. Was sich lediglich an den klassischen Umsetzungsmöglichkeiten orientiert, ist künstlerisches Handwerk, weil es den entscheidenden Punkt der Neuaufdeckung nicht mit enthält und so im wahrsten Sinne des Wortes abgeschaut werden kann. So ist z.B. das, was der Kunsthistoriker Michel Seuphor damals als „Wie“ bezeichnet hat, heute keine Erkenntniser­weiterung mehr, weil die formale wie technische Vielfalt längst zum Erwar­tungskatalog der Kunstinteressierten gehört. Dabei hat er aber die Aussage von Kandinsky nicht zitiert, wonach es auf das „Was“ ankommt. (Kandinsky: „Über das Geistige in der Kunst.“).

Zweifellos ist der dabei sich ergebende Einwand der geistigen Einschränkung durch das  Verhindern der freien Interpretation der Bilder ein vorerst begründeter. Das Problem ist nur, dass genau die vermeintlich geistig freie Interpretation der Aussagen in der heutigen Kunst selbst geistig zensuriert, weil ganz bestimmte künstlerische Aussagen von den öffentlichen Instanzen nicht zugelassen, ja ausgegrenzt werden. Der von mir gemachte und umgesetzte Vorschlag gehört ganz sicher nicht zur gängig vertretenen Kunstauffassung, ist somit vorläufig aus der Öffentlichkeit verbannt, mangels offizieller Unterstützung.

Es ist sicher für eine postmodern geschulte Person verdächtig, die Kunst so zu deuten, wie ich das hier gerade tue. Damit meine ich dieses Analysieren von ihr, ist doch in den meisten Köpfen noch die Vorstellung, dass sie nur emotional zu erfahren ist. Ich erinnere hiermit daran, dass gerade beim Begründen der Moderne, die ja die totale Emotionalität proklamierte, auch lauter Erklärungsbedarf vorhanden war. Das scheint sich bei jeder neuen geistigen Vertiefung respektive Erweiterung als nötig zu erweisen. Leider vergisst das die Folgegeneration, welche die errungenen geistigen Konzepte zum täglichen Gebrauchs-medium gemacht hat, also sich an dem Erkannten bedient, als hätte es nie etwas anderes gegeben. Denn ist ein Konzept respektive eine Erkenntnis zur Orientierung geworden, bedarf es keiner Erklärungen mehr. Diese Generation kann sich abgeklärt in den Fauteuil setzen und sich der gemachten Erkenntnisse bedienen.

Entgegen den postmodernen Gepflogenheiten ist bei meinen Bildern wieder ein Thema die  Aussage. Das kann anfänglich irritieren, weil sich der Beschauer geistig eingeengt fühlen kann. Benützt man jedoch meine Bilder zum Einstieg in den Gedankenraum, den das Bild als Thema hat, kommen Assoziationen auf, die wohl nicht gekommen wären, wäre das Bild nicht da. Nach meiner Beobachtung führt das zu philosophischen Überlegungen die ein Bild, das im Konsens der gegenwärtig dominierenden Kunstauslegung entstand, eher nicht bewirkt, weil es die geistige Haltung dieses angewöhnten Blickwinkels selbst zum Inhalt hat. Das andere Mittel zur intellektuellen Aussage ist das Buch. Jedoch bleibt ein Bild, im Gegen-satz zu einem Buch, als Thema stets gegenwärtig. Wenn jemand also bereit ist, sich auf mein Konzept einzulassen, so besteht die Möglichkeit eines konstanten sinnlichen Dialoges mit dem Thema. Und das führt unbestritten zu anderen Ebenen, als wenn man ein Buch liest, weil im Bild andere, mitunter auch sinnliche Freiheiten entstehen können.

Anfänglich glaubte ich, die von mir dazu gelieferten Legenden seien lediglich Darlegungen, die dazu dienen, meine zur Umsetzung gewählten Motive zu erläutern. Es ist also dem Beschauer überlassen, ob er sie lesen will oder nicht, ganz nach seiner, durch die kulturellle Bildung, historisch gewachsener Gewöhnung. Heute weiss ich, dass die Texte Teil des Konzeptes sind, also nicht von den Bildern getrennt werden dürfen, ja, sie sind integrieter Teil des vorgeschlagenen Konzeptes.

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Am 1. März 2007
Roset

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